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10-04-19
Intensivmedizin: Welche Rolle spielen die Angehörigen, wenn Patienten auf der Intensivstation sterben?

Die Intensivstation ist nicht nur ein Ort der Lebensrettung, Stabilisierung oder Überwachung von Patienten, die anschließend auf die normalen Stationen verlegt werden. Die Intensivstation ist für viele Menschen auch der letzte Behandlungsort, ein nicht geringer Teil der Patienten stirbt während oder nach einer Intensivbehandlung. Welche Rollen die Angehörigen der sterbenden Person einnehmen und wie wichtig deren Zufriedenheit mit dem Umgang in dieser „End-of-Life-Situation“ auf der Intensivstation ist, stellt Dr. Peter Gretenkort (Klinikum Krefeld) in seinem Beitrag des Sammelbandes „Jahrbuch Intensivmedizin 2019“ (hrsg. von B. Böttiger und W. Kuckelt) vor.


In den sogenannten „End-of-Life-Situationen“, wenn der baldige Tod eines Patienten abzusehen ist, kann die weitere Behandlung nicht ohne einen systematischen Einbezug von Angehörigen stattfinden. Sie geben bei der Anamnese wichtige Informationen, werden bei der Prognoseeinschätzung zu Rate gezogen und müssen nicht selten auch über die Fortführung oder den Abbruch der Behandlung entscheiden.

 

Peter Gretenkort macht deutlich, dass Angehörige dabei verschiedene Rollen für die Intensivmediziner einnehmen: Sie können wertvolle Partner und Informationsgeber bei Anamnese und Prognose sein; aber auch zu potentiellen Gegnern werden, wenn es um die Zustimmung oder Ablehnung von medizinischen Maßnahmen geht oder sie im schlimmsten Fall sogar in juristische Auseinandersetzungen gehen, wenn sie Behandlungsfehler vermuten. Gretenkort rät aber dazu, nicht aus den Augen zu verlieren, dass Angehörige immer auch „Mit-Leidende“ und in hohem Maße mit betroffen sind. Die Erfahrung einer End-of-Life-Situation kann bei ihnen seelische und gesundheitliche Langzeitschäden nach sich ziehen, die durch eine sorgfältige und prospektive Einbeziehung der Familie in die medizinische Behandlung des sterbenden Patienten durchaus gemildert werden können.

 

Verschiedene Studien fassen Punkte zusammen, die u.a. für eine hohe Zufriedenheit von Angehörigen bei End-of-Life-Situation auf der Intensivstation sorgen:

- Anwesenheit der Familie

- Berücksichtigung des Patientenwillens

- verständliche Erklärungen des Vorgehens

- gute Symptomkontrolle

- ein hoher Anteil von aktiven Beiträgen der Familie

 

Der Autor weist außerdem darauf hin, dass „differenzierte schriftliche Informationen zum Sterbeprozess nach Therapiereduktion“ einer Unzufriedenheit der Angehörigen zuvorkommen können. Nicht zuletzt sind auch die Atmosphäre auf der Intensivstation, die Annehmlichkeiten für Familienmitglieder sowie die Warteraum-Bedingungen nicht unerheblich und vielen Fällen durchaus verbesserungswürdig. So wird, auch wenn der Patient selbst nicht gerettet werden kann, zumindest die Situation für seine Angehörigen nicht noch schwerer gemacht, als sie ohnehin schon ist.





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