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28-03-19
Künstliche Hüfte und Rücken-OP

Immer mehr hochbetagte Patienten lassen sich an Wirbelsäule und Gelenken operieren, um auch im fortgeschrittenen Alter schmerzfrei ihr Leben genießen zu können. Faktoren wie ein herabgesetzter Stoffwechsel, Blutarmut, Muskelschwund und die Einnahme mehrerer Medikamente erhöhen jedoch das Risiko für über 80-Jährige, beim Einsatz eines künstlichen Gelenks einen Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung zu erleiden. Mit den richtigen Maßnahmen vor und nach dem Eingriff lassen sich Komplikationen und Sterblichkeit stark senken, wie Experten auf einer Pressekonferenz erläuterten.


Nach dem Krankenhausreport der Barmer Ersatzkasse aus dem Jahr 2017 ist die Anzahl der Klinikpatienten, die älter als 70 Jahre sind, im Zeitraum von 2006 bis 2015 um 80 Prozent gestiegen – aufgrund des demographischen Wandels rechnen Experten mit einem weiteren deutlichen Zuwachs in den nächsten 20 Jahren. „Heute entscheiden sich insbesondere auch über 80-jährige Patienten immer häufiger für den Einsatz eines neuen Hüft- oder Kniegelenks oder einen Eingriff am Rücken, um mobil zu bleiben“, sagt Professor Dr. med. Matthias Anthuber, Präsident der DGCH.

 

Doch eine Operation im höheren Alter birgt besondere Risiken. „Patienten, die über 80 Jahre alt sind und sich erstmals ein neues Hüft- oder Kniegelenk einsetzen lassen, haben eine dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt im Zusammenhang mit dem Eingriff zu erleiden“, erläutert Professor Dr. med. Dieter Christian Wirtz, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). „Auch die Gefahr, eine Lungenentzündung zu entwickeln, ist um den Faktor 3,5 gesteigert.“ Aufgrund dieser Komplikationen liegen die Klinikkosten beispielsweise bei über 85-Jährigen 4,8-fach so hoch wie der Durchschnitt.

 

Um diese Komplikationen zu vermeiden, raten die Experten zu einem „Blood-Management“ vor dem Eingriff. „Wir testen dafür den Hämoglobin-Wert“, erläutert Wirtz. Bei einem Wert unter zwölf liegt Blutarmut vor. In diesem Fall erhalten die Patienten vor der Operation Eisentabletten, um das Blutvolumen zu erhöhen. „Mit dem Ergebnis, dass die älteren Patienten dann nach dem Eingriff schneller auf den Beinen sind und vor allem weniger Transfusionen benötigen“, berichtet DGCH-Experte Wirtz. Mit einer sinkenden Transfusionsrate wiederum, das haben Studien gezeigt, verringern sich Sterblichkeit und Häufigkeit von Lungenentzündungen deutlich.

 

Zudem gehören alle Medikamente, die Ältere häufig zur Behandlung von anderen Erkrankungen vielfach parallel einnehmen, auf den Prüfstand. „Polypharmazie kann zu unerwünschten Wechselwirkungen führen und die Narkoseführung erschweren“, stellt Wirtz fest. „Deshalb sind nicht zwingend notwendige Arzneien in Absprache mit dem Arzt vor der Operation abzusetzen.“

 

Darüber hinaus hilft es, ältere Patienten schon vor dem Eingriff auf die spätere Physiotherapie vorzubereiten. „Dafür eigen sich Übungen, die verdeutlichen, wie die Patienten nach der Operation am besten aus dem Bett steigen, welche Bewegungen förderlich sind, welche nicht“, erläutert Wirtz, der als Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Universitätsklinik Bonn tätig ist. „Studien zeigen, dass Patienten durch eine präoperative physiotherapeutische Schulung ihre Gehfähigkeit nach dem Eingriff schneller wiedererlangen.“

 

Ältere Patienten formulieren heute, meint der Bonner Chirurg, klare Ansprüche an ihre Lebensqualität. „Sie wollen Schmerzmittel nicht dauerhaft einnehmen, möchten ohne Stock Treppen steigen, nicht permanent ein Korsett gegen Rückenschmerzen tragen“, berichtet Wirtz. „Vor diesem Hintergrund entscheiden sie sich immer häufiger für eine gut geplante Gelenk- oder Rückenoperation.“ Allerdings werde der Mehraufwand für ältere Patienten, die auch einen höheren Bedarf etwa an Blasenkathetern oder Kanülen haben, in den Klinikpauschalen derzeit nicht vergütet.





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