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27-03-19
OP-Barometer: Die Qualitätsunterschiede zwischen Krankenhäusern wachsen

Der Gesundheitsökonom Prof. Thomas Busse von der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) sieht große Defizite in der Qualität der stationären Versorgung von Patientinnen und Patienten in Deutschland: „Nach wie vor erscheint es unglaublich, wie wir in einem hochzivilisierten Land mit unseren Patientinnen und Patienten umgehen, gerade wenn diese keine Lobby haben.“ Busse zeigt sich erschüttert, aber keineswegs überrascht von den Ergebnissen der Recherchen eines RTL-Undercover-Teams, das die Versorgung psychiatrischer Patientinnen und Patienten stichprobenartig untersucht hatte.


Prof. Thomas Busse, Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt University of Applied Sciences (Stefanie Kösling/Frankfurt UAS)

Der Direktor des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt UAS hat im Jahr 2017 bereits zum sechsten Mal eine Mitarbeitenden-Befragung in den Bereichen OP-Pflege und Anästhesie-Pflege in Krankenhäusern („OP-Barometer“) durchgeführt und so einen guten Überblick über die Stimmungslagen und Probleme in diesem speziellen Bereich von Krankenhäusern erhalten.

 

„Auffallend ist, dass es inzwischen sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenhäusern gibt“, so Busse; so zeige das von der Frankfurt UAS vor zehn Jahren initialisierte „OP-Barometer“ massive Qualitätsunterschiede zwischen den befragten Einrichtungen. Beispielsweise gibt es Krankenhäuser, in denen die Mitarbeitenden eine Zunahme der Patientengefährdung seit 2015 zu fast 90 % bejahen, während dies in anderen Krankenhäusern zu über 70 % verneint wird. Oder das Vorherrschen von Mobbingstrukturen wird in einem OP-Bereich zu fast 70 % eher bejaht, während die Mitarbeitenden in anderen OP-Bereichen zu über 70 % keine Ansätze von Mobbing sehen. „Anscheinend haben einige Krankenhäuser ihre Hausaufgaben gemacht, während sich andere längst auf einen enormen Qualitätsabbau zubewegen.“ Busse rät in diesem Zusammenhang aber inständig, dass aufgrund von Horrormeldungen aus einzelnen Krankenhäusern nicht alle Krankenhäuser bzw. deren einzelne Abteilungen über einen Kamm zu scheren sind.

 

Dass die seitens des Gesetzgebers ständig initiierten neuen Qualitätssicherungsvorgaben anscheinend oft eher ihre Wirkung verfehlen, führt Busse darauf zurück, dass jede neue Anforderung der Politik oft realitätsfern und mit einem enormen bürokratischen Aufwand verbunden ist. So entfernen sich die wenigen noch verbliebenen engagierten Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte eher weiter von den Betten der Patientinnen und Patienten. „Wer schreibt, der bleibt“ sei, so Busse, „das vorherrschende Motto nicht nur bei der hochkomplexen Krankenhausfinanzierung durch die Fallpauschalen, sondern inzwischen auch bei den Maßnahmen der Qualitätssicherung.“

 

Gute Qualität im Krankenhaus kann aber niemals in starren, überkommenen Hierarchien und über eine Atmosphäre der Angst erreicht werden, sondern nur in einer konstruktiven, wertschätzenden Unternehmenskultur. „Hiervon scheint die Situation in einigen Krankenhäusern immer noch weit entfernt zu sein. Da werden wir zukünftig noch die eine oder andere böse Überraschung erleben“, so Busse. Dies gilt laut den Auswertungen des OP-Barometers 2015 beispielsweise auch für das aktuell in den Medien in die Kritik geratene Klinikum in Frankfurt.

 

Das OP-Barometer ist eine alle zwei Jahre von der Frankfurt University of Applied Sciences durchgeführte Befragung zur Arbeitssituation von Pflegekräften im Operations(OP)- und Anästhesie-Bereich an deutschen Krankenhäusern.

 

Die aufbereiteten Ergebnisse des OP-Barometers 2017 können auf der Website des Zentrums für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) der Frankfurt UAS unter www.frankfurt-university.de/zgwr abgerufen werden.



Quellen/Links:

https://idw-online.de/de/news712837




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